Am 06. Februar 2023 kam es zu zwei starken Erdbeben und mehreren Nachbeben. Millionen Menschen in der Türkei und in Syrien sind von dieser Naturkatastrophe direkt betroffen. Mehrere Tausend Menschen sind tot. Die Zahl der Verletzten ist noch um einiges höher. Das Ausmaß der Sachschäden und der kulturellen Verluste ist ebenfalls immens. Und die Verluste an Leben und Materiellem werden noch größer werden. Das volle Ausmaß der Katastrophe ist noch längst nicht klar. Was also können wir tun? Wie können wir helfen? Hier meine Erst-Analyse und darauf aufbauenden Hinweise zum Erdbeben Türkei-Syrien – Hilfe für Betroffene:
Erdbeben Türkei-Syrien, Lagebeurteilung
Analyse der Situation
Stand vom 07.02.2023:
Die Situation vor Ort ist unübersichtlich. Es gibt kein klares Bild der Lage. Die Kommunikation mit den am schwersten betroffenen Regionen ist erschwert beziehungsweise aktuell gar nicht möglich. Dies wird durch die politische Lage noch weiter verschärft.
Die regionale, nationale und internationale Hilfe ist angelaufen.
Erschwert werden die Rettungsmaßnahmen jedoch durch das Winterwetter, Infrastrukturschäden (beschädigte Landebahnen, versperrte und/oder beschädigte Straßen, zerstörte Krankenhäuser/Praxen, …), Sekundärkatastrophen (Gaslecks, Stromleitungsschäden, Austritt von Giftstoffen, …), möglichen weiteren Nachbeben und die politische Gesamtlage.
Darauf aufbauende Erst-Einschätzung:
- Es gibt drei Personengruppen, die aktuell am effektivsten helfen können:
- Hilfsorganisationen, die vor Ort etabliert sind.
- Hinzu kommen internationale Organisationen, die mit Hilfsorganisationen vor Ort zusammenarbeiten.
- Staatliche Strukturen vor Ort.
- Hinzu kommen Staaten und internationale Organisationen, die mit staatlichen Strukturen vor Ort zusammenarbeiten.
- Communitys vor Ort (Familien, Freundinnen und Freunde, Nachbarschaft, Kolleginnen und Kollegen, Glaubensgemeinschaft, …)
- Hinzukommen Menschen und Organisationen, die mit Communitys vor Ort in Kontakt stehen und koordinieren, dass Hilfesuchende und Helfende zueinander finden.
- Hilfsorganisationen, die vor Ort etabliert sind.
- Es gibt zwei grundsätzliche Ansatzpunkte, um zur Hilfe beizutragen:
- Die Hilfe vor Ort unterstützen.
- Denen helfen, die bei uns leben und deren Verwandte/Freund*innen/Kolleg*innen sich in den betroffenen türkischen oder syrischen Gebieten befinden.
Mögliche Schwerpunkte für Deine persönliche Hilfe
- Wenn Du Verwandten/Freund*innen/Kolleg*innen vor Ort hast, dann kannst Du zum Beispiel:
- Mit anderen, denen es ebenso geht, einen Austauschring bilden.
- Ihr bildet eine Gruppe. Ihr unterstützt Euch gegenseitig. Eure Verwandten/Freund*innen/Kolleg*innen bilden ebenfalls eine Gruppe. Sie unterstützen sich ebenfalls gegenseitig.
- Ihr könnt auf diese Weise Eure Kommunikation miteinander vereinfachen, leichter aufeinander aufpassen und Eure Hilfe füreinander besser koordinieren.
- Ihr bildet eine Gruppe. Ihr unterstützt Euch gegenseitig. Eure Verwandten/Freund*innen/Kolleg*innen bilden ebenfalls eine Gruppe. Sie unterstützen sich ebenfalls gegenseitig.
- Herausfinden, was jeweils aktuell ganz konkret gebraucht wird und versuchen dies zu besorgen.
- Am sinnvollsten ist es, die Dinge von einer vertrauenswürdigen Person/Organisation direkt vor Ort kaufen zu lassen.
- Am zweit-sinnvollsten wäre es, die Dinge hier zu kaufen und dann von einer vertrauenswürdigen Person/Organisation zum Einsatzort bringen zulassen.
- Mit anderen, denen es ebenso geht, einen Austauschring bilden.
- Wenn Du keine Verwandten/Freund*innen/Kolleg*innen vor Ort hast, aber die Landessprache und weitere Sprachen (z. B. Englisch, Französisch, Deutsch, …) sprichst, kannst Du zum Beispiel:
- Deine Hilfe für Übersetzungen anbieten!
- Übersetzungen könnten vor Ort im Krisengebiet oder vielleicht auch via Handy/Internet hilfreich sein!
- Du kannst Dich an Hilfsorganisationen wenden
- und ihnen bei der Orientierung helfen, indem Du Straßennamen, Schriftzüge an Gebäuden und so weiter übersetzt.
- Oder Angehörigen erklären, was die Helfenden tun.
- Auch kannst Du dabei helfen, dass Informationen von Hilfsorganisationen bei den Betroffenen ankommen!
- Deine Hilfe für Übersetzungen anbieten!
- Wenn Du weder Verwandten/Freund*innen/Kolleg*innen vor Ort hast, noch die Landessprache und weitere Sprachen sprichst, kannst Du zum Beispiel:
- Denjenigen moralische Unterstützung geben, auf die das zutrifft. (Frag in Deinem Wohnort nach, was sinnvoll ist.)
- Wichtige Informationsquellen bekannter machen. (Achte darauf, dass Du nur auf seriöse Informationen hinweist!)
Was immer sinnvoll ist:
Dich schlau machen, ob Sachspenden oder Geldspenden organisiert gesammelt werden.
- Frag bei der Moschee / der Kirche / der Synagoge / dem Tempel oder der sonstigen Gemeinschaft Deines Vertrauens nach.
- Melde Dich bei Deiner Stadtverwaltung.
- Wende Dich an bekannte Hilfsorganisationen.
Hier meine Empfehlungen für Spenden an Hilfsorganisationen, die Betroffenen in der Türkei und in Syrien helfen:
- Ärzte der Welt e. V.
- Pressemitteilung zur Entsendung zusätzlicher Teams in das Erdbebengebiet
- Spendenformular von Ärzte der Welt (Rhythmus wählen [einmalig oder regelmäßig], Betrag wählen, entscheiden ob Du eine Spendenquittung möchtest, Bereich wählen [Türkei/Syrien], Deine Daten eingeben, Deine Zahlungsart wählen.)
- Deutsches Rotes Kreuz
- Pressemitteilung des DRK zur Unterstützung der Schwesterngesellschaften, dem Türkischen Roten Halbmond (TRH) und dem Syrischen Arabischen Roten Halbmond (SARH).
- Spendenformular des DRK (Zweck, Betrag, Art und Rhythmus wählen, Daten eingeben, entscheiden ob Spendenquittung und/oder Newsletter gewünscht wird, Bezahlmethode wählen.)
- BRH Bundesverband Rettungshunde e.V.
- Erste Pressemitteilung des BRH zum Einsatz im Erdbebengebiet Türkei/Syrien
- Spendenformular des Bundesverbandes Rettungshunde (Daten eingeben, Betrag, Rhythmus und Zahlungsweise auswählen)
Was – meiner Ansicht nach – aktuell weniger hilfreich ist oder vielleicht sogar schadet:
Wenn Du weder Ortskenntnisse hast noch nötige Fachkenntnisse zur Verfügung stellen kannst, ist es aktuell nicht sinnvoll selbst in die betroffenen zu reisen. Insbesondere die Flughäfen sind überlastet. (Wichtig: Solltest Du dennoch ins Erdbebengebiet reisen wollen, überprüfe, ob Du einen Ort anpeilen kannst, der etwas außerhalb der betroffenen Region liegt. Dort kannst Du vielleicht leichter einen Kleintransporter oder ein Motorrad kaufen und dann die letzten hundert Kilometer damit anreisen.)